«Unglaublich, was diese Kinder leisten müssen!»

Autor Lea Werderitsch
Datum 03.11.2026
Workshop für Lehrpersonen am Landenhof
Am 21. Oktober 2026 organisierte der Audiopädagogische Dienst Landenhof (APD) einen halbtägigen Workshop für Lehrpersonen an Regelschulen, die Kinder mit einer Hörbeeinträchtigung unterrichten. Rund 40 Lehrpersonen nahmen teil und erhielten spannende Einblicke in die Herausforderungen und Bedürfnisse hörbeeinträchtigter Schülerinnen und Schüler.
Nach der Begrüssung und einer kurzen Einführung in die wechselvolle Geschichte des Landenhofs sowie die vielfältigen Tätigkeitsbereiche des APD durch Jakob Frei stellte Jasmin Kaur den Pädaudiologischen Dienst (PAD) des Landenhofs vor.
Persönliche Einblicke, die berühren und zum Nachdenken anregen
Ein besonderer Höhepunkt waren die von Christoph Woodtli, Leiter Stützpunkt Gymnasium, organisierten Erfahrungsberichte zweier junger Frauen mit einer Hörbeeinträchtigung. Offen, eindrücklich und teilweise auch humorvoll erzählten sie aus ihrem Alltag, ihrer Schulzeit und ihrem persönlichen Werdegang. Sie zeigten auf, mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert sind und welche Unterstützung ihnen auf ihrem Weg geholfen hat.
Dabei wurde deutlich: Ein Hörgerät oder Cochlea-Implantat kann eine Hörbeeinträchtigung nie vollständig ausgleichen. Besonders in lärmigen Situationen, bei Gruppengesprächen oder im freien Spiel ist das Zuhören mit grosser Anstrengung verbunden. Auch scheinbar alltägliche Situationen wie Musikunterricht, Chorsingen oder ein Besuch in der Badi können besondere Herausforderungen darstellen.
Gleichzeitig machten die persönlichen Geschichten Mut. Sie zeigten eindrücklich, was mit Durchhaltevermögen, einem unterstützenden Umfeld und einer guten audiopädagogischen Begleitung möglich ist.
Selbsterfahrung: Wie fühlt sich Hören mit Einschränkungen an?
Im zweiten Teil des Workshops konnten die Lehrpersonen Klassen der Tagesschule Hören besuchen und unter der Anleitung von Rebecca Gubler selbst erfahren, wie anspruchsvoll das Verstehen unter erschwerten Hörbedingungen sein kann.
Die Rückmeldungen waren eindrücklich: Die Teilnehmenden berichteten von Unsicherheit, grosser Konzentrationsanstrengung und dem Gefühl, Informationen zu verpassen. Auch das Verstehen von Sprache bei gleichzeitigem Störlärm wurde in einer weiteren Übung thematisiert. Dabei zeigte sich, wie schnell die Aufmerksamkeit nachlässt und wie frustrierend es sein kann, wenn Gespräche oder Aufträge nicht mehr verstanden werden.
Besonders eindrücklich war für viele der Unterschied beim Einsatz einer FM-Anlage. Die Übungen machten sichtbar, wie stark technische Hilfsmittel die Hör- und Verstehensbedingungen im Unterricht verbessern können.
Vom Erleben zum Handeln im Schulalltag
Neben den Selbsterfahrungen erhielten die Lehrpersonen konkrete Tipps und Anregungen für die Unterrichtsgestaltung. Dazu gehören beispielsweise das Verwenden von Untertiteln, das Wiederholen von Antworten anderer Schülerinnen und Schüler, deutliches Sprechen sowie eine möglichst ruhige Lernumgebung. Auch die Raumakustik, eine gute Arbeitsorganisation und visuelle Unterstützungsmöglichkeiten spielen eine wichtige Rolle.
Eine zentrale Botschaft des Workshops lautete: Hörbeeinträchtigte Kinder sollen beim Verstehen unterstützt werden, ohne dass dabei ihre Selbstständigkeit und ihre individuellen Bedürfnisse aus dem Blick geraten. Direkte Absprachen mit den betroffenen Kindern, der Kontakt zu den Eltern sowie die Zusammenarbeit mit dem APD sind dabei besonders wichtig.
Austausch und gemeinsamer Perspektivenwechsel
Nach einer Pause wechselten die Gruppen und widmeten sich jeweils einem weiteren Schwerpunkt: Während eine Gruppe die Tagessonderschule Hören besuchte, setzte sich die andere mit den Sensibilisierungsaufgaben des APD auseinander. Den Abschluss bildete eine gemeinsame Gesprächsrunde mit Lehrpersonen der Tagessonderschule Hören. Dabei entstanden angeregte Gespräche, und die Teilnehmenden konnten ihre Eindrücke und Fragen weiter vertiefen.
Ein Workshop, der Wirkung zeigt
Die Rückmeldungen der Lehrpersonen waren durchwegs positiv. Besonders die persönlichen Erfahrungsberichte und die Selbsterfahrungsübungen hinterliessen einen bleibenden Eindruck. Eine Rückmeldung brachte die Erkenntnis des Tages treffend auf den Punkt:
«Unglaublich, was diese Kinder leisten müssen!»
Genau diese Erkenntnis stand im Zentrum des Workshops: Verständnis für die Situation hörbeeinträchtigter Kinder zu schaffen, den Blick für ihre täglichen Herausforderungen zu schärfen und Lehrpersonen darin zu bestärken, ihren Unterricht entsprechend anzupassen.
Der Audiopädagogische Dienst Landenhof freut sich über das grosse Interesse, den offenen Austausch und die wertvollen Begegnungen. Das Ziel, Lehrpersonen zu sensibilisieren und einen Perspektivenwechsel anzuregen, wurde damit erreicht.




